Abfindungen der Ostgrenze

Noch jünger sind andere Grenzsteine, die der aufmerksame Wanderer im Staatsforst Rosengarten erkennen kann. Diese sind keine imposante Findlinge, wie die oben beschrieben Steine, sondern behauene bzw. gespaltene Granitstelen. Sie belegen diverse Verschiebungen der Forstgrenzen seit 1750/1751.

Abgefunden wurden bestimmte Nutzungsrechte, die bei der Teilungen von 1750/51 den Bauern der angrenzenden Dörfer noch verblieben waren (z.B. Hut-, Weide- und Plaggenhiebsrechte). Nach langen Verhandlungen ab ca. 1843 wurde vereinbart, dass diese Rechte aufgegeben werden sollte; als Ausgleich dafür erhielten die Dorfschaften weitere Areale zu den damals vereinbarten Bauerwaldsflächen. In Grenzsregistern der Oberförsterei Harburg wurden sie als „Weideabfindungen“ beschrieben.

Auf der Forstbegangskarte vom Forstrevier Rosengarten von 1878 sind an der Ostgrenze vier Abfindungen eingetragen:
1. Sieversen
2. Sottorf
3. Vahrendorf (nicht versteint)
4. Alvesen

Damit die kurfürstlichen Förster für das geschlagene Holz noch freien Zugang zu den existierenden Forstwegen erhielten, wurden an einigen Stellen „Ausfahrten“ vereinbart. Im Sieverser Holz gab  es gleich zwei solcher Ausfahrten, bei Alvesen eine weitere.

Abfindung für Sieversen und Sottorf

Anstelle eines neuen ersten Grenzsteins für die nun verschobene Ostgrenze wurde der Sieverser Stein, der 1754 den Anfang der ursprünglichen Ostgrenze markierte, ca. 170 m westlich versetzt, um den Anfang der neuen Ostgrenze zu markieren. Heute steht er noch dort, und hinter dem Stein ist der Grenzgraben der Abfindungsgrenze noch deutlich sichtbar. Bei dieser Aktion ist vermutlich die obere rechte Ecke vom Sieverser Stein abgebrochen (s. Abbildung).

S-01_N-I_Sieverser_Stein_with_ditch_CIMG8677
Der Sieverser Stein; davor Stein Nr. 1 der Südgrenze.

Die Steine zwei und drei der Sieverser Abfindungsgrenze (inzwischen verschollen) markierten die „Erste Sieverser Ausfahrt“; diese verlief entlang der Straße von Sieversen nach Elstorf, wo heute der Kopfsteinplaster-Parkplatz an der höchsten Stellen der Rosengartenstraße verblieben ist. Diese Steine sind wahrscheinlich dem Ausbau der Rosengartenstraße zum Opfer gefallen. Der nächste noch erhaltene Stein wird demzufolge hier als Nr. 4 dieser Grenze bezeichnet. Die „Zweiter SieverserAusfahrt“ wurde durch die Steine 5-6-7-8 markiert; der Stein Nr. 5 konnte erst 2015, nachdem er bei Forstarbeiten an die Oberfläche aufgewühlt wurde, geortet werden.

Die Sieverser Ausfahten sind auf diesem Kartenauszug (im hellblauen Gebiet) zu sehen:

SieverserSottorferHolzFarben

Der Sieverser Bauernwald (blau) und der Sottorfer Bauernwald (gelb). Diese Abbildung ist nicht genordet; die obere Kante vom gelben Gebiet zeigt ungefähr nach Norden (nach rechts).

Aufstellung der Steine

Auf ein Bild klicken, um es zu vergrößern; von dort aus die Pfeil-Symbole anklicken, um weitere Bilder vergrößert zu sehen.

Auf dem letzten Stein dieser Aufstellung ist die Jahreszahl “1865”  unter der Wolfsangel zu lesen. Dieser Stein steht gut erreichbar ca. 100m westlich vom Parkplatz an der Gross-Modder-Eiche und markiert das nördliche Ende der Abfindungsgrenze zu Gunsten der Bauern von Sieversen bzw. Sottorf im 19. Jahrhundert.
Voß (Das Bauerndorf Sottorf, Seiten 227 – 237) beschreibt (bezogen auf Sottorf) die jahrelangen Verhandlungen zwischen 1845 und 1865, in welchen die Verkoppelung und die Spezialteilung des Sottorfer Bauerwaldes vollzogen wurden. In einem Rezess in 1845 sowie diversen Nachträgen (der letzte in 1865) wurde auch die Begrabung der und Versteinung der neuen Grenzen vereinbart.

Die obere Breite [der] Scheidegräben wird auf zwei Fuß und die Tiefe auf eineinhalb Fuß festgesetzt. …Statt der vorgeschriebenen Begrabung ihre Grenzen durch Steine oder sonstige Merkzeichenzu sichern, auch können auf derartigen Böden die Grenzen unter Hinweglassung der Gräben mit einfach wehrbaren Befriedigungen bezogen werden.“ (Rezess von 1845 §8).

Letztendlich wurde die neue Grenze zum Staatsforst sowohl mit den abgebildeten Granitstelen als auch mit einem Graben markiert. Diese Grenze wird heute noch teilweise auf Wanderkarten als Forstdistriktsgrenze beschrieben.

Abfindung für Alvesen

Bei der Abfindung für Alvesen erhielten die Alveser Bauer das „Alveser Feld“, das heute noch zwischen der Straße „Am Rosergarten“  und dem Staatsforst zu sehen ist.

Abfindung_Alvesen_Farben

Dort wurde die „Alveser Ausfahrt“ (links im hellblauen Gebiet) durch die neuen Steine 41-42-43-44-45-46 markiert, wobei die Steine 44 und 46 noch fehlen. Über die neuen Steine 47 (erhalten) und 48 (noch nicht gefunden) findet die Abfindungsgrenze bei Stein Nr. 49 wieder Anschluss an der 1750er Grenze.

Auf ein Bild klicken, um es zu vergrößern; von dort aus die Pfeil-Symbole anklicken, um weitere Bilder vergrößert zu sehen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s