Original-Urkunde vom 9. Oktober 1412

Staatsarchiv Stade, Bestand Altkloster Nr. 230

14121009_Vertrag

Abschrift

„Wy Bertold Mynrik und(e) Johan des vorno(m)pten Bertoldes sone knapen alle gheheten Schulten • Bekenet und betughet // openbare in dessem breue vor allesweme dat wy myd willem vnde vulbord alle(r) vnser Eruen hebbet verkoft vnd(e) vorkopet ie//ghenwardighen in dessem breue redeliken vnd(e) rechtliken to eneme steden ewighen eruekope • Deme Ersamen heren heren // Johan(n)e proueste vnd(e) deme Clostere to Buxtehude eren nakomelynghen vnd(e) deme holdere desses breues sunder ere wed//dersprake • vnse vryge sunderholt to dem Syuertzen. anders gheheten dat vostuck • vnd(e) vnse beyden houe dar sulues bele//ghen in deme kerspele to hiduelde des stichtes to verden • edder in wolke kerspele dat beleghen sy • vor twehundert lubesche // mark de vns degher vnd(e) al betalet vnd(e) bered synt na vnsem willen • myd aller rechticheyd • in ackere • in velde • in watere• in  weyde• in wischen• in holte • in Broeken • in Buschen • vnd(e) myd aller tobehorynghe vnd(e) slachternud. Vnde hebbet on dat vorscreuene // holt vnd(e) houe vppe laten in ere brucliken hebbenden were vnd(e) besittynghe • vnd(e) latet on dat ieghen­wardighen vp in dessem // breue • alzo dat wi vhs vnd(e) vnsen Eruen dar nenerleye rechticheyd meer ane beholden enhebbet• dat vnse elderen vore vnd(e) // wi na vor vnse eghene vryge sunderghud vryg • quied vnd(e) vnbewuren beseten hebbet wente an desse tiid. Were ok dat // iement vppe desset vorscr(euene) holt edder houe an tokomenden tiden ienegherleye ansprake hedde • dar schole wi vnd(e) vnse Eruen vnd(e) willet se degher vnd(e) al schadelos van entheuen • Ok scholt wi vnd(e) vnse Eruen vnd(e) willet der vorno(m)pden houe vnde // holtes myd aller rechtycheyd vnd(e) tobehorynghe alze vorscreuen is. Den vorno(m)pden heren Johanne proueste • Clostere • eren nakomelynghen vnd(e) deme holdere desses breues sunder ere weddersprake na vtwisynghe der schedelstene alzo de twischen des // stichtes holten van Bremen • des Closters holte van hertzeuelde • vnd(e) deme vorno(m)pden holte to dem Syuertzen anders ghe//heten dat vostuck • to schedynghe in vtghewisede snede ghesad synt • rechte warend wesen • vnd(e) vullenkomene warschop dar // up doen • wan(n)e war vnd(e) wovakene on des behuf is • vnde se dat van vns edder van vnsen Eruen eschende synt Alle desse vorsc(reuenen) // stucke vnd(e) artikule vnd(e) der enicwelik besunderen hebbe wi Bertold• Mynrik vnd(e) Johan alle vorno(m)pd ghelouet vnd(e) redet // vnd(e) redet vnd(e) louet se ieghenwardighen in dessem breue vor vns vnd(e) vnse Eruen • den vorno(m)pden heren Joban(n)e proueste •  // Clostere • eren nakomelynghen vnd(e) deme holdere desses breues sunder ere weddersprake an ghuden truwen stede vast // vnd(e) vnvorbroken to holdende sunder ienegherleye weddersprake hulperede edder arghelist • Vnde gheuet vns hir an // ouer alles rechtes gheytlikes edder werltlikes hulpe vnd(e) vordeles • dar men dessen bref edder desser vorscr(euenen) articule // ieneghen mede breken edder vorlegghen mochte dat vns to vromen queme vnd(e) on to schaden Des to bekantnisse heb//be wi vnse ingheseghele witliken vnd(e) myd willen to dessem breue ghehenghet laten • Vortmer so bekenne wie ffrederik vn(de) // hermen knapen Brodere gheheten Schulten in dessem suluen breue vor vns vnd(e) vnse Eruen• dat alle desse vorscreuenen // stucke articule vnd(e) koep in aller wise alzo desse bref in(n)eholt • ghescheen synt myd vnsem willen witschop vnd(e) vulbord // vnd(e) hebbet des ok to ener mereren betuchnisse vnse ingheseghele witliken myd willen to dessem breue ghehenghet // laten Gheuen na godes bord veerteynhundert jar na in deme twolften jure In dem hilghen daghe Sunte Dyonisij // vnd(e) syner selschop • der hilghen mertelere“.

Notizen

A C Förste 28.1.1983.

Auf der Rückseite der Urkunde steht von alter Hand:

Littera venditio(n)is silue Siuerze(n) cu(m) duabus curiis“ und „Van Schulte … sup(er) silua Siuertzen„.

(D.h. „Verkaufsurkunde des Sieverser Holzes mit (gegenseitigen Gerichtskammern?) und „Von Schulte … über das Sieverser Holz“).

Dieser Vertrag in heutigem Hochdeutsch

„Wir Bertold, Mynrick und Johann, des vorgenannten Bertolds Söhne, Knappen, alle genannt Schulten, bekennen und bezeugen offenkundig in dieser Urkunde/ Brief, dass wir mit Willen und Zustimmung aller unserer Erben haben verkauft und verkaufen gegenwärtig mit dieser Urkunde redlich und rechtlich nach ewigem Erbkaufrecht dem ehrsamen Herrn, Herrn Johann, Propst, und dem Kloster zu Buxtehude (= Altkloster), ihren Nachkommen und dem Besitzer dieser Urkunde ohne Widerspruch unser freies Sunderholz zum Sieversen, anders genannt das Vosstück, und unsere beiden Höfe dortselbst gelegen in dem Kirchspiel zu Hittfeld im Stift Verden – oder in welchem Kirchspiel das gelegen sei – für zweihundert lübische Mark die uns völlig und ganz bezahlt sind nach unserem Willen mit aller Gerechtigkeit an Äckern, Feldern, Gewässern, Weiden, Wiesen, Holzungen, Brüchen, Büschen und allem Zubehör und Nutzungsrecht. Und lassen ihnen das gegenwärtig mit dieser Urkunde auf, also, dass wir uns und unseren Erben keinerlei Gerechtigkeit mehr daran vorbehalten haben, so wie es uns unsere Eltern zuvor und wir danach als unser eigenes, freies Sundergut bis zu dieser Zeit frei, los und ledig und unbehindert besessen haben. Sei es, dass jemand auf das vorbeschriebene Holz und die Höfe in künftigen Zeiten irgendeinen Anspruch stellt, sollen wir und unsere Erben sie völlig schadlos halten. Auch sollen und wollen wir und unsere Erben die vorgenannten Höfe und das Holz mit allen Gerechtigkeiten und Zubehörungen, wie es vorgeschrieben ist, dem genannten Herrn Johann, Propst, dem Kloster, ihren Nachfolgern und dem Inhaber dieser Urkunde unwidersprochen nach Ausweis der Grenzsteine, so wie sie zwischen dem Bremer Stiftsholz, dem Harsefelder Klosterholz und dem Holz zum Sieversen, anders genannt das Vosstück, zur Begrenzung der ausgewiesenen Schnede gesetzt sind, rechtmäßig Gewähr leisten und eine vollkommene Bürgschaft darauf tun, wann, wo und sooft es ihnen erforderlich ist und sie es von uns und unseren Erben fordern. Alle diese vorbeschriebenen Stücke und Artikel, und dieses insbesondere, haben wir, die zuvor genannten Bertold, Mynrick und Johann, alle gelobt und beredet und versprechen und geloben gegenwärtig in dieser Urkunde, sie für uns und unsere Erben dem vorgenannten Herrn Johann, Propst, dem Kloster, ihren Nachfolgern und dem Inhaber dieser Urkunde widerstandslos ohne Einspruch in zuverlässiger Güte stets fest und unverletzt ohne Widerspruch, Einrede oder Arglist zu halten und begeben uns hieran allem geistlichen oder weltlichen Rechts, jeder Hilfe oder jedem Vorteil, womit man diese Urkunde oder die vorbeschriebenen Artikel irgendwie mit brechen oder aufheben mag, das uns zum Vorteil komme und ihnen zum Nachteil werde. Das zur Bekenntnis haben wir unser Siegel wissentlich und mit Willen an diese Urkunde hängen lassen. Fernerhin bekennen wir Friedrich und Hermann, Knappen, Brüder, geheißen Schulten, in dieser selbigen Urkunde für uns und unsere Erben, dass alle diese vorbeschriebenen Stücke, Artikel und Käufe in dieser Weise wie die Urkunde beinhaltet, mit unserem Willen, Wissen und unserer Zustimmung geschehen sind und haben auch zu unserer größeren Bezeugung unsere Siegel wissentlich und mit Willen an diese Urkunde hängen lassen. Gegeben nach Gottes Geburt im vierzehnhundertsten Jahr danach im zwölften Jahr, an dem Tag des Heiligen St. Dyonisius und seiner Gesellschaft der Heiligen Märtyrer.“ (=Oktober 9.)

Die ‚Unsicherheit‘ der Jahreszahl

Das genaue Datum dieser Urkunde in Bezug auf die Jahrezahl ist noch unsicher, denn die Aussage „nach Gottes Geburt im vierzehnhundertsten Jahr danach im zwölften Jahr“ müsste, streng genommen, ab dem Jahre Null zählend, 1399 und 11 gleich Anno Domini 1410 sein (Ordinalzahlen). Hat man das damals so gezählt? Gibt es andere Indizien, die eine konkrete Bestimmung des Datums dieser Unkunde ermöglichen? Gibt es sie auch für die zweite Urkunde, vom 14.10. des gleichen Jahres? Auf der Seite „Historischer Hintergrund der ‚Schedelstein-Urkunden‚“ wird (demnächst) darauf eingegangen.