Die mittelalterlichen Steine (14. bzw. 15. Jahrhundert)

Diese Grenzsteine, mit griechischen bzw. römischen Kreuzzeichen und/oder Rostzeichen, wurden in zwei Urkunden aus dem 14. bzw. dem 15. Jahrhundert erstmalig erwähnt; dabei handelt es sich um einen Kaufvertrag vom 9. Oktober sowie einer Grenzanerkennungsurkunde vom 14. Oktober. Das genaue Jahr bleibt aufgrund der damaligen Ausdrucksweise unsicher. Die 20 noch vorhandenen Grenzsteine (in den Urkunden „Malstene“ bzw. „Schedelstene“ genannt) sind hinlänglich u.A. von Herrn Werner Voß (Sottorf) recherchiert, dokumentiert und beschrieben worden. Sie sind hier der Vollständigkeit halber aufgeführt, denn, wer die anderen hier dokumentierten Grenzsteine sucht, wird sicherlich den einen oder anderen dieser “Schedelsteine“ sehen und sich vielleicht fragen, warum auch sie nicht hier erwähnt seien.

Der Vertrag vom 9.10. (die Jahreszahl ist unsicher) aus dem Stader Archiv, Bestand Altkloster Nr. 230, sieht so aus:

14121009_Vertrag

Der obige Vertragtext fängt so an:

Wy Bertold Mynrik und Johan des vornopten Bertoldes sone knapen alle gheheten Schulten Bekenet und betughet // openbare in dessem breue vor allesweme dat wy myd willem unde vulbord alle ynser Eruen hebbet verkoft vnd vorkopet ie//ghenwardigen in dessem breue redeliken vnd rechtliken to eneme steden ewighen eruekope Deme Ersamen heren heren // Johane proueste vnd deme Clostere to Buxtehude ……“.

Eine Abschrift dieses Vertrags kann hier angesehen werden.

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Die Grenzanerkennungsurkunde vom 14. Oktober im gleichen Jahr, aus dem Stader Archiv (Bestand Altkloster Nr. 231)  ist hier abgebildet:

14121014_Vertrag

Der erste Teil der Urkunde lautet wie folgt:

Wy Johan van der gnade godes vnd des Stoles to Rome Abbat Marquard prior vnd // de gantze Conuent des Closters to hertzeuelde des Ordens sunte Benedicti des stichtes // to Bremen Bekenet vnd betughet openbare in dessem breue vor allesweme dat de ghe//sathen schedelstene van deme velde to doddenrode an ouer den deth wech de van doddenrode // na hiduelde gheyd …„.

Die Namen der nahegelegenen Orte Harsefeld („hertzeuelde„), Bremen, Dodenrode („doddenrode„, eine wüste Dorfstätte im heutigen Rosengartener Forst) sowie Hittfeld („hiduelde„) lassen sich leicht erkennen. Die ‚Schedelstene‘ erstrecken sich nicht mehr bis zum „Feld zu Dodenrode“ – da sind einige wohl in der Zwischenzeit den Steinbrechern zum Opfer gefallen.

Eine Abschrift dieser Urkunde ist hier zu sehen.

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Diese Grenzsteinreihe erstreckt sich heute über 3 km vom „Neugrabener Weg“ im Westen bis nach Leversen im Osten. Von den 22 von den Herren Päper, Richter und Voß dokumentierten Steinen sind noch 20 vorhanden.

Auf ein Bild klicken, um es zu vergrößern; von dort aus die Pfeil-Symbole anklicken, um weitere Bilder vergrößert zu sehen.

Die verschiedenen Symbole – sog. Tatzenkreuze und Rostzeichen – zeugen davon, dass die Ländereien um Sieversen und Leversen zu verschiedenen Zeiten diversen kirchlichen Institutionen gehörten. Voß identifiziert vier verschiedene Formen:

  1. ‚Lateinische Kreuze‘, d.h. mit dem unteren Teil des senkrechten Balkens deutlich länger als der obere Teil – Symbol des Harsefelder Klosters
  2. ‚Griechische‘ Kreuze, mit gleichlangen Balken – Erzstift Bremen
  3. Rostzeichen, bestehend aus drei gleichlangen senkrechten Balken, eingefasst oben und unten durch zwei waagerechten Balken, dessen Enden links wie rechts etwas überstehen, wie z.B. Nr. 11 oben – Altes Kloster Buxtehude (dessen Schutzpatron, der Hlg. Laurentius, auf einem Feuerrost das Märtyrertod gefunden haben soll)
  4. Stielrostzeichen (Steine 20 und 21), die aus sowohl Rost- als auch Kreuzzeichen bestehen. Dies kam dadurch zustande, dass das ursprunglich eingemeißelte Kreuzzeichen zu einem späteren Zeitpunkt zum Rostzeichen ergänzt wurde; aus Platzgründen ragt ein Teil des senkrechten Balken aus der Rost hinaus.

Stein Nummer 12 dieser Serie wurde in 1749/50 als Orientierungspunkt bei der Grenzbeschreibung der Forstteilung bei Sieversen herangezogen:

Die Gräntze des der Allergnädigsten Herrschaft von diesem Holtze zugefallenen Anteils fängt an, bey dem vor den Günterbergen liegenden jetzigem Lühmanns Lande und der Stubenwalder Holtz Schneede, gehet von dar durch die Graß Kuhle über den großen Sandberg, weiter über den Hülsenberg und ferner über den Scharfen Steinweg in Steps Grund bis an dem mit einem [Tatzenkreuz] bemerckten, die Stiftts- und Sieverser Höltzung scheidenden Stein …

 

Nr. S-12
Nr. 12 der mittelalterlichen Grenze

(nach oben)

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